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Kinder- und Jugendschutz durch Ausschluss? Update zum Verbot in Australien

Stell dir vor, es ist Social-Media-Verbot, aber keiner hält sich dran.

So läuft es scheinbar in Australien, dem Land, das in Sachen “Plattformverbannung” von Kindern und Jugendlichen in Social-Media-Portalen seit Dezember letzten Jahres die Vorreiterrolle innehat. Seitdem sind Kinder unter 16 Jahren offiziell von den Plattformen ausgeschlossen. Direkt nach dem Inkrafttreten des Verbotes am 10. Dezember 2025 wurden gut 4,7 Millionen (!) Konten durch die Plattformbetreiber auf Instagram, Facebook, TikTok, YouTube & Co. gelöscht. Doch die erste Erhebung der zuständigen australischen Behörde, welche 3 Monate nach dem Inkrafttreten des Verbotes durchgeführt wurde, zeichnet ein klares Bild:

  • • 81 % der befragten Kinder zwischen 10 und 15 Jahren gaben an, (weiterhin) mindestens eine Plattform mit Altersbeschränkung zu nutzen.
  • Die befragten Eltern gaben an, nun weniger über die Nutzungsgewohnheiten ihrer Kinder zu wissen.
  • Die Verfahren zur Altersüberprüfung sind schwammig, nicht eindeutig oder schlicht nicht vorhanden. Viele Plattformen verlassen sich auf Selbstauskünfte oder Gesichtsscans und erlauben eine beliebige Anzahl an Wiederholungsversuchen nach einer “gescheiterten” Prüfung.
  • Das Meldesystem von Profilen, die mutmaßlich von unter 15‑Jährigen genutzt werden, ist kompliziert. Einige Anbieter verlangen konkrete Nachweise, bevor eine Überprüfung angestoßen wird.

Ich lasse das hier mal so stehen. Meine Meinung zu einem grundsätzlichen Social-Media-Verbot für Minderjährige habe ich vor einiger Zeit auf dieser (Social-Media-)Plattform schon kundgetan: https://www.linkedin.com/posts/thomasrosin_rausaudemdatenschutz-activity-7442114232214528001-iCF-?

Überlegungen zur Einführung eines ähnlichen Modells in Deutschland haben gerade einen deutlichen Dämpfer bekommen: Der Deutsche Ethikrat sprach sich gegen ein pauschales Mindestalter bei der Nutzung der Portale aus. Ein pauschales Verbot würde selbst Probleme verursachen, statt welche zu lösen (Beweisstück a: siehe oben). Damit schließt sich das Gremium der Haltung vieler Fachleute (unter anderem mir 😉) an – stattdessen wird die Entwicklung und Einführung von risikobasierten Schutzkonzepten empfohlen. Auch die Förderung der Kompetenz von Eltern und Erziehungsberechtigten wird empfohlen, denn diese bräuchten seriöse und unabhängige Informationen sowie Beratungsmöglichkeiten, um ihre Kinder passgenau in der Nutzung von Social-Media-Plattformen moderieren und begrenzen zu können.

Digitale Selbstbestimmung begleiten, fördern, aufklären und gemeinsam entwickeln – in der Theorie alles ganz einfach. Was meinst du: mehr staatlicher Eingriff oder mehr Hilfe zur Selbsthilfe? Und wie?