Daten zum Sexualleben oder der sexuellen Orientierung sind besonders schützenswert. So sieht es zumindest der Datenschutz, aber nicht unbedingt (d)eine Dating-App.
Denn genau solche Daten könnte eine Dating-App von dir preisgeben – und zwar nicht nur, weil jemand dich zufällig dort findet, sondern weil die App diese Daten von dir bewusst weiterverkauft. Klingt nicht legal? Ist es auch nicht. Das zumindest entschied letztes Jahr ein Gericht in Norwegen, welches ein 2021 verhängtes Bußgeld der norwegischen Datenschutzbehörde „Datatilsynet“ für rechtmäßig erklärte. Anfang November 2025 hat der Verkupplungsdienst „Grindr“ nun auch die Berufung gegen das Urteil verloren und muss folglich saftige 65 Millionen Kronen (umgerechnet ca. 5,8 Millionen Euro) an die norwegische Staatskasse zahlen.
Was war passiert?
Die App Grindr richtet sich ausdrücklich an die ausdrücklich an die LGBTQ-Community. Bei der ersten Anmeldung in der Dating-App mussten potenzielle Nutzer der Datenschutzerklärung vollumfänglich zustimmen. Eine Ablehnung der Weitergabe von Daten an Dritte war nicht möglich. Damit war die Nutzung der App und die darüber angestrebte Partnersuche direkt daran gekoppelt, dass persönliche Daten weitergegeben werden konnten.
Grindr teilte infolgedessen GPS-Standort, IP-Adresse, Werbe-IDs, Alter und Geschlecht mit seinen Werbepartnern. Nachdem der norwegische Verbraucherrat „Forbrukerrådet“ und der europäische Datenschutzverein „none of your business“ bereits 2020 Beschwerden bei der Aufsichtsbehörde einreichten, erließt Datatilsynet 2021 nach umfangreichen Ermittlungen das höchste jemals von der norwegischen Datenschutzbehörde verhängte Bußgeld gegen den App-Anbieter. Nach Ansicht der Behörde ist der Verstoß besonders schwerwiegend, weil die Daten der Nutzer trotz ihres nachvollziehbaren Wunsches nach einem diskreten Umgang mit den sensiblen Inhalten der App auf undurchsichtige Weise mit einer unbekannten Zahl von Dritten geteilt wurden.
Nerd Fact: Auch wenn Norwegen kein Mitglied der Europäischen Union ist, gilt dort die DS-GVO. Das liegt daran, dass Norwegen Mitglied der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und damit des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) ist. Die DS-GVO wird hier wie innerhalb der EU angewendet.
Glaubst du, dass die Daten der Nutzer auf Datingplattformen in guten Händen sind? Laut Statista waren rund 38 % der 35-44-jährigen in Deutschland schon einmal auf einer der bekannten Apps unterwegs.
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