Mit ChatGPT und Google könntest du gehackt werden, ohne dass du es merkst. Ich spreche von einer relativ neuen Methode bei Cyberangriffen, der „Indirect Prompt Injection“.
Dafür müssen weder ChatGPT noch Google gehackt werden – die Hacker nutzen einfach die Anfälligkeit des KI-Tools für versteckte Befehle, die in den Daten enthalten sind, die gerade verarbeitet werden.
Die Idee ist simpel: Du bekommst eine Kalender-Einladung an deinen Google-Kalender, die einen versteckten Befehl enthält, um z. B. alle deine E-Mails nach bestimmten Daten zu durchsuchen und zu versenden.
Wenn ChatGPT nun auf deinen Kalender zugreift, liest die KI, von dir unbemerkt, den versteckten Befehl und führt diesen im Auftrag der Hacker aus – ebenfalls von dir unbemerkt.
Damit das passieren kann, reicht es aus, dass du ChatGPT bittest, deinen Kalender nach einem Termin oder einem anderen Inhalt zu durchsuchen, oder dir eine Zusammenfassung deines Tagesablaufs zu geben. Die KI wird also mittels manipulierter Eingaben dazu gebracht, etwas anderes zu tun als ursprünglich von dir vorgesehen.
Mit nichts als deiner E-Mail-Adresse könnten Cyberkriminelle jetzt also potenziell auf deine Daten zugreifen, wenn du ChatGPT und deinen Google Calender miteinander verknüpft hast. Erst seit Mitte August stellt OpenAI die Schnittstelle zwischen ChatGPT, Google Calender, GMail und Google Contacts zur Verfügung. Die erste Cyberattacke ließ natürlich nicht lange auf sich warten.
Um dieses Einfallstor zu schließen, nutzt du die Konfigurationen deines Google Kalenders: Dort kannst du unter Einstellungen – Termineinstellungen – festlegen, dass nur Einladungen von bekannten Absendern zugelassen werden. Wenn ihr als Organisation die Google-Dienste nutzt, können eure Workspace-Administratoren diese Einstellung für die gesamte Organisation festlegen.
Wir sehen hier wieder eindrucksvoll, dass jede API (Application Programming Interface = Schnittstelle zwischen zwei Programmen) ein zusätzliches Risiko für deine Daten sein kann. Überlege dir immer wirklich gut, ob du Tools miteinander verknüpfst – oder, in diesem Beispiel, nicht die Google-eigene Suchfunktion völlig ausreichend ist, um zu schauen, wann du mit Herrn Müller diese Woche einen Termin hast.
Immer auf dem Laufenden bleiben